Hein

von Ingo Barrabas

In den letzten Monaten machte Neuprofi Artur Hein auf sich aufmerksam. Der Halbschwergewichtler erwies sich als Kurzarbeiter, stoppte alle seine drei Opponenten kurzrundig. Obwohl ein wichtiger Amateur Titel als Empfehlung wegen einer kurzen Laufbahn fehlt, musste der Stuttgarter bei seinem jetzigen Arbeitgeber Sauerland keine traditionelle Bewerbung mit Lebenslauf und Lichtbild abgeben, um sich einen Vertrag zu sichern. Auf Empfehlung von Partnern, denen das Potenzial des 22jährigen aufgefallen war, kam es zu einem Probetraining, die positive Einschätzung von Trainer Manfred Wolke machte Hein schließlich zum Sauerland Boxer.

Die ersten Auftritte scheinen die positive Prognose zu untermauern. Dabei ist es nicht mal die Tatsache das Hein seine Kämpfe gewann, sondern wie! Schließlich sollte man Gegner wie Fadil Quasem, Slatko Cizicz oder Taunas Tornyai bezwingen, wenn man langfristig auf internationaler Ebene ein Wörtchen mitreden will. Insbesondere Quasem galt beim Hein Debüt Ende März 2008 als guter Prüfstein. Nach einem Kopfhaken war das Duell aber bereits in der 2. Runde beendet. Der Berliner hatte seine einzige Niederlage zuvor gegen Vladimir Povetkin hinnehmen müssen, war am Boden, schaffte es aber über die Distanz. Der zweite Hein Gegner, Slatko Cizicz, musste bereits nach 1:57 Minuten der ersten Runde die Segel streichen. Cizicz hat zwar nur Niederlagen im Rekord, aber immerhin kam der Hamburger mit den in Deutschland bekannten Kavin Gebhard, Marco Schule, Ebu Bulut und Vladimir Povetkin über die Distanz, lieferte sich mit letztgenanntem kurze Zeit vor dem Duell mit Hein noch eine Materialschlacht. Wie bereits erwähnt ging es bei Hein nicht über die Eröffnungsrunde hinaus. Taunas Tornyai schaffte es ebenfalls nicht bis in den zweiten Durchgang.

Begleitet wird Hein von einer treuen Fangemeinde, die ihn lautstark unterstützt. Auch bei Hardcore Fans ist der Name Hein mittlerweile angekommen. Mit schwerer werdenden Aufgaben wird es mit der 100% K.o. Quote nicht weitergehen, das dürfte klar sein. Aber ein Grundstein ist gelegt, wie Sauerland Sport-Direktor Hagen Doering meint. "Bei seinen bisherigen Auftritten hat sich Hein glänzend aus der Affäre gezogen. Jetzt gilt es den Weg für etwas längere Distanzen zu ebnen. Artur boxt mit schnellen Kombinationen und hat viel Power".

Der in Stuttgart beheimatete Hein wohnt mittlerweile in Frankfurt an der Oder, schuftet im Gym von Manfred Wolke. Obwohl böse Zungen immer wieder behaupten, der frühere Maske Coach würde nur auf ökonomisch herausgearbeitete Punktsiege stehen, erwartet keiner, dass die Finisher Qualitäten von Hein leiden. Bestes Bespiel dafür dürfte Cruisergewichtler Enad Licina sein, der ja ebenfalls in der Frankfurter Trainingsgruppe arbeitet. Für Hein, der wie fast jeder Profiboxer den Gewinn eines WM Titels sein Ziel nennt, hat die Arbeit erst begonnen. Die ersten Schritte hat er aber eindrucksvoll gemeistert. Da dürften sich diesmal alle einig sein. Und seine treuen Fans sind sicher, dass noch größere Erfolge dazukommen.

Ein weiterer Aufbaukampf des Halbschwergewichtlers ist bei dem Sevecke Event in Hattersheim geplant.